Förderungen

Medienkooperation: F&E-Auftrag bis 40.000 Euro statt Zuschuss

Die Medienkooperation der Wiener Medieninitiative steht auf der Website der Wirtschaftsagentur bei den Förderungen. In ihrer ersten Stufe ist sie aber eine Ausschreibung: Die Wirtschaftsagentur Wien vergibt Aufträge für Forschung und Entwicklung zum Wandel der Wiener Medienbranche. Angebote sind bis 30. November 2026 möglich.

Kurz gesagt

Laut Fördercockpit werden bis zu vier Forschungs- und Entwicklungsaufträge mit jeweils bis zu 40.000 Euro netto vergeben. Anbieten können österreichische und internationale Unternehmen, selbständige Journalist*innen und Konsortien mit Erfahrung im Mediensektor. Umgesetzt werden die Konzepte von 1. Jänner bis 31. Mai 2027. Eine Expert*innen-Jury reiht die Angebote nach vier Kriterien mit höchstens 12 Punkten. Für eine zweite Phase ab 2027 kündigt die Wirtschaftsagentur Förderungen bis 500.000 Euro pro Vorhaben an.

Förderung oder Auftrag?

Die Wirtschaftsagentur führt die Medienkooperation auf ihrer Website unter den Förderungen. Nach dem Wortlaut der veröffentlichten Unterlagen ist die erste Stufe aber keine klassische Förderung, sondern eine Auftragsvergabe. Darauf deuten die Unterlagen selbst hin:

  • Das Fördercockpit spricht von einer „Ausschreibung von Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen“ und von bis zu vier Aufträgen mit einer Auftragssumme von jeweils bis zu 40.000 Euro netto.
  • Du reichst keinen klassischen Förderantrag ein, sondern ein Angebot. Die Bewertungskriterien sprechen von Bieter*innen und reihen die Angebote nach Punkten.
  • Gegenstand ist eine Leistung: die Erforschung, Entwicklung, Erprobung und Validierung von Lösungen für die Wiener Medienbranche.

Zum Vergleich: In der Richtlinie Medienstart 2026, also für ein anderes Programm, definiert die Wirtschaftsagentur eine Förderung als nicht rückzahlbaren Zuschuss, für den sie unmittelbar keine angemessene geldwerte Gegenleistung erhält. Bei der Medienkooperation ist dagegen eine F&E-Leistung Gegenstand des Auftrags. Das spricht dafür, dass du einen Preis für eine Leistung kalkulierst. Ausdrücklich so geregelt ist das in den Unterlagen nicht, eine Förderquote oder einen Eigenanteil nennen sie aber auch nicht.

Ganz einheitlich ist die Sprache allerdings nicht. Die Programmseite trägt den Titel „Förderung Medienkooperation“, verlangt eine Antragsbestätigung und spricht von einer Vorauszahlung auf „zugesagte Projektkosten“. Auch die Kriterien sprechen vom „Antrag“ und von „beantragten Kosten“. Die eigentlichen Vertragsbedingungen, etwa zu Nutzungsrechten an den Ergebnissen oder zum Zahlungsplan, sind in den veröffentlichten Unterlagen nicht enthalten.

Was wird gesucht?

Gesucht sind Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen zu den Transformationsherausforderungen der Wiener Medienbranche. Die Fragestellung entwickelst du selbst. Laut Anforderungskriterien muss das Vorhaben

  • eine klar definierte Forschungs- oder Entwicklungsfrage bearbeiten,
  • wissenschaftlich fundiert sein und über den aktuellen Stand des Wissens hinausgehen,
  • einen nachvollziehbaren Erkenntnis- oder Innovationsgewinn erwarten lassen.
  • Zudem soll es neue Lösungsansätze entwickeln, erproben oder validieren und gemeinschaftlich nutzbare Lösungen, Prozesse, Werkzeuge oder Standards adressieren.

Das Ziel laut Fördercockpit: zentrale Herausforderungen des Medienstandorts Wien analysieren, Wissenslücken schließen und praxisnahe Grundlagen für seine Weiterentwicklung schaffen. Ein Konzept, das nur einem einzelnen Medienhaus nützt, passt deshalb schlecht. Die Bewertung fragt ausdrücklich nach einem Nutzen über die unmittelbar Beteiligten hinaus.

Wer kann ein Angebot legen?

Laut Programmseite können österreichische und internationale Unternehmen, selbständige Journalist*innen und Konsortien mit Erfahrung im Mediensektor anbieten. Eine Wiener Betriebsstätte nennen die Unterlagen nicht als Voraussetzung. Bietest du mit Partner*innen an, sind laut Anforderungskriterien Partneranträge auszufüllen.

Die fachliche Eignung musst du belegen: mit der Qualifikation von Projektleitung und Team und mit mindestens zwei erfolgreich abgeschlossenen Referenzprojekten aus den letzten drei Jahren. Sie brauchen einen Bezug zu Forschungs-, Entwicklungs- oder Innovationsvorhaben im Medienbereich, etwa zu digitalen Innovationen, neuen Geschäftsmodellen oder Studien zur Transformation.

Zum Angebot gehören laut Programmseite die Antragsbestätigung, der letztgültige Jahresabschluss oder die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung und die Lebensläufe der Projektbeteiligten.

Wie viel Geld und welcher Zeitplan?

Auftragssumme
Bis zu 40.000 Euro netto pro Konzept, vergeben werden bis zu vier Aufträge.
Angebotsfrist
1. Oktober bis 30. November 2026.
Umsetzung
1. Jänner bis 31. Mai 2027.
Vorauszahlung
Laut Programmseite ein Akonto von höchstens 50 Prozent der zugesagten Projektkosten.

Rechenbeispiel: Bei einem Auftrag über 40.000 Euro netto sind das bis zu 20.000 Euro vorab.

Die Kosten begründest du im Angebot: warum sie notwendig sind, wie sie mit Arbeitspaketen und Ergebnissen zusammenhängen und warum der Ressourceneinsatz angemessen und wirtschaftlich ist. Für die Umsetzung bleiben fünf Monate. Plane Arbeitspakete und Meilensteine so, dass sie in dieses Fenster passen.

Wie werden die Angebote bewertet?

Eine Expert*innen-Jury bewertet die Angebote im Wettbewerb. Laut Bewertungsschema gibt es vier Kriterien mit jeweils 0 bis 3 Punkten, insgesamt also höchstens 12:

  1. Qualität des Vorhabens: schlüssige Arbeitspakete, realistische Ziele, plausible Kosten, erkennbarer Forschungscharakter, geeignete Methoden und ein Ergebnis, das über bestehendes Wissen hinausgeht.
  2. Eignung der Projektbeteiligten: Kompetenzen und personelle Ressourcen des Teams, Gender- und Diversitätsaspekte sowie die Referenzprojekte.
  3. Relevanz und Nutzen für den Medienstandort Wien: ob wesentliche Herausforderungen adressiert werden und die Branche über die Beteiligten hinaus profitiert.
  4. Verwertung der Ergebnisse: ob Unternehmen und andere Akteur*innen der Branche die Ergebnisse nutzen können und ob daraus weitere Vorhaben entstehen können.

Gereiht wird nach der Gesamtpunktezahl, bei Gleichstand können zusätzliche qualitative Aspekte entscheiden. Feste Ausschlussgrenzen wie bei den Förderprogrammen der Wirtschaftsagentur nennt das Schema nicht. Null Punkte bedeuten aber, dass ein Kriterium nicht erfüllt ist.

Worauf solltest du achten?

  • Forschungsfrage schärfen. Eine allgemeine Projektidee reicht nicht. Bewertet wird, ob eine klar definierte F&E-Frage mit geeigneter Methodik beantwortet wird.
  • Wien-Bezug zeigen. Die Unterlagen fragen in fast jedem Punkt nach dem Nutzen für den Medienstandort Wien.
  • Referenzen prüfen. Ohne zwei passende Referenzprojekte aus den letzten drei Jahren fehlt ein geforderter Nachweis.
  • Vertragsfragen klären. Wem die Ergebnisse gehören, wie sie genutzt werden dürfen und wann gezahlt wird, regeln die veröffentlichten Unterlagen nicht. Kläre das vor der Abgabe mit der Wirtschaftsagentur.

Für die zweite Phase kündigt die Wirtschaftsagentur ab 2027 Förderungen von bis zu 500.000 Euro pro Vorhaben für große Kooperationsprojekte an. Ob ein Auftrag aus der ersten Stufe dafür Voraussetzung ist und welche Regeln dann gelten, steht in den Unterlagen noch nicht.

Quellen

Häufige Fragen

Ist die Medienkooperation eine Förderung?

Nach dem Wortlaut der Unterlagen in der ersten Stufe nicht. Laut Fördercockpit vergibt die Wirtschaftsagentur Aufträge für Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen. Du legst ein Angebot und erbringst eine Leistung gegen eine Auftragssumme von bis zu 40.000 Euro netto. Förderungen kündigt die Wirtschaftsagentur erst für die zweite Phase ab 2027 an.

Muss ich einen Eigenanteil tragen?

Die Unterlagen nennen weder eine Förderquote noch einen Eigenanteil. Du kalkulierst einen Preis von höchstens 40.000 Euro netto und begründest, warum die Kosten notwendig und angemessen sind.

Brauche ich einen Sitz in Wien?

Die Unterlagen verlangen keine Wiener Betriebsstätte, auch internationale Unternehmen können anbieten. Das Thema muss aber eine Transformationsherausforderung der Wiener Medienbranche betreffen und dem Medienstandort Wien nützen.

Kann ich gemeinsam mit Partner*innen anbieten?

Ja. Laut Programmseite sind Konsortien zugelassen, laut Anforderungskriterien sind dann Partneranträge auszufüllen. Im Angebot beschreibst du die Rollen und Verantwortlichkeiten im Team.

Porträt von Samy El Makarem

Samy El Makarem

Geschäftsführer der FFVA GmbH

Samy El Makarem berät Unternehmen in Österreich zu Förderungen und ist seit 2015 im Fördergeschäft. In den sozialen Medien folgen ihm über 200.000 Menschen für Förder-Tipps. Mehr über Samy

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